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Freitag, 04. März 2011

»Waldverjüngung – aber ohne Verbiss«

Wald und Wild gehören zu einer Lebensgemeinschaft. Allerdings müssen die Schalenwildbestände (Rot- Dam- und Rehwild) den jeweiligen Zielen der Waldentwicklung angepasst sein und in einem ökologischen Gleichgewicht stehen.

Die genannten Schalenwildarten können bei zu hohen Beständen dieses Gleichgewicht empfindlich stören, indem sie evtl. Naturverjüngung ganz verhindern, die aufgelaufene Naturverjüngung in ihrer Artenzusammensetzung nachteilig verändern und darüber hinaus qualitative Schäden an einzelnen Bäumen bewirken.

Der wirtschaftliche Schaden für die Waldbewirtschaftung tritt durch folgende Auswirkungen ein:
_ Statt fast kostenloser Naturverjüngung teure Pflanzungen
_ Erhöhte Waldschutzkosten durch notwendige Zäunung, ggf. Wahl größerer und teurer Pflanzensortimente
_ Verzicht auf Mischbestände mit hoher Stabilität und Biodiversität
_ Langfristig Verschlechterung der Holzqualität

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben und gegebener Zertifizierungsstandards nach FSC/PEFC sind die Waldbesitzer gehalten, für waldangepasste Schalenwild-Bestände zu sorgen.

Um den Einfluss des Schalenwildes auf die Verjüngung ihrer Waldflächen festzustellen, haben die SHLF 2010 für ihren Gesamtbetrieb ein Verbiss-gutachten in Auftrag gegeben, dessen Auswertung folgende Aussagen erlaubt:
_ Landesweit weisen die SHLF-Wälder durchschnittlich einen starken Verbiss bei Laubbäumen (57 %) auf. Bei den Nadelbäumen kommt ein Verbiss von 13 % vor. Darüber hinaus wurden 20 % der Waldverjüngungsflächen ohnehin schon durch Zäune geschützt, weil eine hohe Verbissgefährdung erwartet wurde.
_ Damit kann der Verbiss an Laubäumen als erheblich gefährdend eingestuft werden. Dies gilt vor allem für die Hauptbaumart Schleswig-Holsteins, die Buche!
_ Bei Vorkommen der Hochwildarten Dam- und Rotwild ist der Verbissschaden um etwa 10 % höher als bei reinen Rehwild-vorkommen.

In einem Informationsgespräch mit den Unteren Jagdbehörden der Kreise, sowie der Obersten Jagdbehörde beim MLUR und dem Landesjagdverband S-H e.V. werden die Ergebnisse des SHLF-Verbissgutachtens am 02.03.2011 vorgestellt. Die SHLF wollen aufgrund der ermittelten Ergebnisse in Abstimmung mit allen Beteiligten Maßnahmen erörtern, die zu einer Senkung der Verbissbelastung und der Kosten für die Wildschadensprophylaxe führen können.

Hierzu gehört unter anderem eine Erhöhung der Abschusszahlen, die in eine entsprechende regionale Abschussempfehlung mündet. Angesichts steigender Jagdstrecken und fortschreitender Ausbreitung der genannten Hochwildarten wird es unumgänglich sein, örtlich und regional zu hohe Wildbestände abzusenken.

Darüber hinaus muss eine Verbesserung der Bejagungsstrategie erfolgen. »Außerdem werden Maßnahmen zur Verbesserung der Wildlebensräume, die Schaffung von Wildruhezonen und auch eine Lenkung von Waldbesuchern dazu beitragen können, dem Wild seinen natürlichen Lebensrhythmus zu bewahren«, betonte Klaus-Hinnerk Baasch, der Präsident des Landesjagdverbandes S-H e.V. »Ziel ist es, nachhaltig die natürliche Hauptbaumart Buche und möglichst auch die anderen heimischen Laubbaumarten ohne nennenswerte Verbissschäden zu verjüngen. Wir wollen artenreiche und vielfältige Mischwälder entwickeln, die den ökonomischen und ökologischen Anforderungen der Gesellschaft und den Herausforderungen des Klima-wandels gewachsen sind«, teilte der Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Tim Scherer, mit.

Verantwortlich für den Pressetext:
Schleswig-Holsteinische Landesforsten
Bernd Friedrichsdorf
Leiter der Abteilung 3