
Scherer und Dr. Merker

Scherer und Dr. Merker

Scherer und Dr. Merker

Dr. Böckmann

Dr. Böckmann

Scherer und Dr. Merker

Scherer und Dr. Merker
Neue Forstplanung für die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten – durch das Niedersächsische Forstplanungsamt als Dienstleister
Ein Treffen der Führungsspitze der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (SHLF), der Niedersächsischen Landesforsten sowie des Niedersächsischen Forstplanungsamtes (NFP) an einem nebeligen, eben typischen 7. November 2008 im ostholsteinischen Revier Ahrensbök besiegelte die zukünftige, enge Kooperation zwischen den beiden Landesforstanstalten. Tim Scherer, Direktor der SHLF, begrüßte den Präsidenten der Niedersächsischen Landesforsten, Dr. Klaus Merker, und Dr. Thomas Böckmann, Leiter des NFP.
In seiner Begrüßung sprach er von einem bedeutenden Moment für die anstehende Forsteinrichtung. Erstmals wird diese nämlich durch einen externen Dienstleister vorgenommen. Das Niedersächsische Forstplanungsamt wird als kompetenter und bestens ausgestatteten Partner die neue Forstplanung für die im Januar 2008 gegründete Forstanstalt in Schleswig-Holstein durchführen. Scherer erläuterte, dass es für die relativ kleinen Schleswig-Holsteinischen Landesforsten wenig Sinn machen würde, Spezialpersonal und auch die erforderliche, kostenintensive Spezialausrüstung, insbesondere im Bereich der Datenverarbeitung, vorzuhalten. Und da es neben guter nachbarschaftlicher Zusammenarbeit vor allem viele Ähnlichkeiten im Bereich des niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Forstes gäbe, wie beispielsweise atlantisch geprägte Wuchsverhältnisse, war die Entscheidung schnell gefallen, das NFP mit der Forstplanung in den SHLF zu beauftragen. Außerdem bestehen auch in den Zielsetzungen der beiden Unternehmen große Übereinstimmungen, man kommt aus der »selben Schule«. Enge Kontakte und zahlreiche Berührungspunkte zwischen den beiden Landesforsten basieren natürlich auch auf der Zusammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. Durch diese Institution werden beide Betriebe, neben anderen Landesforsten, schon lange erfolgreich fachlich begleitet und mit Daten versorgt.
Dr. Merker freute sich in seiner Ansprache über diese Kooperation, die eben mehr als nur ein »Auftrag« sei und sicherte die konsequent an den Bedürfnissen Schleswig-Holsteins ausgerichtete Ausführung, auch unter Beteiligung schleswig-holsteinischer Unternehmer für die Außenaufnahmen, zu. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen müsste es nach seiner Meinung sein, der Gesellschaft Antworten auf viele Fragen ökonomischer und ökologischer Natur zu geben. In den Niedersächsischen Landesforsten habe sich dafür in den letzten 15 Jahren das Waldbauprogramm LÖWE bewährt, dass hervorragend diese beiden, oftmals konträr diskutierten Ansätze unter einen Hut bringe. Die neue Forstplanung wird auch in Schleswig-Holstein mit der Entwicklung einer Waldbaubetriebsanweisung einher gehen. Forstplanung und waldbauliche Handlungsgrundsätze bestimmen die Strategie für die Behandlung der Wälder der SHLF in den nächsten Jahren. Die Ausgangssituation ist gut, denn schon heute zeigen viele Wälder der SHLF naturnahe Strukturen. Der Mischwaldanteil und die Naturnähe der Wälder haben in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Die SHLF hat sich daher für das zweistufige Einrichtungsverfahren entschieden. Die Stichprobeninventur an über 7.000 Probekreisen liefert ein sicheres Zahlengerüst für die Nachhaltigkeit und die Planung für jede Einzelfläche sorgt dafür, dass alle gesellschaftlichen und betrieblichen Belange an jeder Stelle des Waldes berücksichtigt werden können.
Eine Exkursion in einen Bestand des Reviers Ahrensbök konkretisierte die zukünftigen Aufgaben. Dr. Böckmann erläuterte vor Ort die Aufgaben, die die Forsteinrichtung erfüllen müsse. Er wies darauf hin, dass die Produktion des Rohstoffes Holz nur ein Nutzungsanspruch sei, der an den Wald gestellt werde. Er erfülle ebenso weitere Funktionen als Schutzwald, Erholungswald und als Lebensraum. Insbesondere in Schleswig-Holstein, dem waldärmsten deutschen Bundesland, müssten diese vielfältigen Nutzungsansprüche auf kleinster Fläche erfüllt werden. Dazu kämen noch die kleinräumig stark wechselnden Standorte und eine hohe Biodiversität, die das schleswig-holsteinische Waldmosaik weiter verfeinern.
Die Forsteinrichtung müsse also sehr genaue und spezifische Grundlagendaten liefern, um diesen speziellen Anforderungen genüge zu tun und sei zugleich Instrument, um zwischen den Nutzungsansprüchen zu moderieren.
Repräsentative Messungen an ausgewählten Bäumen ergäben bei der Betriebsinventur statistisch abgesicherte Werte über Altersaufbau, Zuwachsleistung, Vorratsverteilung sowie über die Ausformung der Bestandesschichtung. Mittelfristige Planungen über standörtlich angepasste Baumartenwahl und Umbaumaßnahmen erhielten so eine Diskussionsgrundlage. Der Vergleich zukünftiger Daten mit denen aus der Vergangenheit ergebe ein deutliches Bild über den Erfolg oder eben auch Misserfolg bisher durchgeführter Maßnahmen. Schritt für Schritt vervollständige sich so das Puzzle Wald. Endgültiges Ziel der Einrichtungsarbeiten könnte eine Art elektronisches Revierbuch sein, für alle Revierförster über Internet im »Web-GIF« abruf- und aktualisierbar.
In einer kurzen praktischen Demonstration stellte Dr. Böckmann die Bandbreite der Messgeräte vor. Die traditionelle Kluppe zur Dickenmessung kam ebenso zum Einsatz, wie moderne lasergesteuerte Höhenmessgeräte oder kompakte mobile Dateneingabegeräte. Allerdings stehe vor der terrestrischen Messung die Fernerkundung per Flugzeug, die schon genaue Daten wie beispielsweise die Baumartenverteilung in den Flächen liefere.
Die Befliegung der Waldflächen gibt laut Aussage des Leiters der NFP auch die zeitliche Achse des Projektes vor. Da volle Belaubung und klare Sichtverhältnisse Grundbedingungen für die Fernerkundung sind, wird damit im Sommer 2009 begonnen. Nach Abschluss dieses ersten Schrittes beginnt aufgrund der gewonnenen Daten die Feinplanung der Forsteinrichtung durch die Messungen am Boden. Circa 7.000 Messpunkte werden in der Stichprobennahme anvisiert, um die Betriebsinventur zu vervollständigen. Diese Arbeiten werden sich wohl bis in den Winter 2009 erstrecken. Danach liegen die Grundlagendaten vor, die für die weitere Planung die Eckwerte darstellen. In einem anschließenden Diskussionsprozess werden dann verbindliche Maßnahmen festgeschrieben, die immer wieder durch Stichprobennahmen kontrolliert werden könnten. Diese Zeitplanung sei zwar sehr ehrgeizig, so Dr. Böckmann, allerdings auch notwendig, da so ein wichtiges Steuerungsintrument für die SHLF schnellstmöglich zur Verfügung stehen sollte.
Abschließend wurde von Dr. Merker und Tim Scherer auch die Wichtigkeit ökologischer Maßnahmen in Zuge der zukünftigen Planungen betont. So werde im Sinne des Waldnaturschutzes auch ein Haubitatbaum- und Totholzkonzept erstellt. Die globalen Umwelteinflüsse, wie z. B. der Kohlendioxid-Anstieg und die Klimaerwärmung, würden bei diesem Inventurwerk ebenfalls berücksichtigt. Eine Risikoanalyse soll dazu dienen, auch in Zukunft stabile und ertragreiche Waldbestände zu haben. Ziel der Forsteinrichtung in Verbindung mit der Standortkartierung sei eine Zielbestockungskarte für ganz Schleswig-Holstein, die differenziert alle Einflüsse berücksichtigt, so dass auch in den nächsten Jahrhunderten der Rohstoff Holz und alle Gemeinwohlleistungen des Waldes im Sinne einer modernen, multifunktionalen Forstwirtschaft für die Gesellschaft zur Verfügung stehen. Mit diesem neuen Weg für die Erstellung der Forsteinrichtung setzen die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten ein Zeichen für eine effektive und zukunftsorientierte Betriebsführung.
Strukturdaten der SHLF (AöR)
Gesamtfläche: rd. 45.300 ha
(= 30 % der Waldfläche des Landes und 3,1 % der Landesfläche)
Holzbodenfläche: rd. 45.300 ha
Laubbaumanteil: 55 %
Nadelbaumanteil: 45 %
Einschlagssumme 200 – 230.000 qm und
durchschnittlicher Zuwachs 440.000 qm (Quelle Bundeswaldinventur)
Altersklassenverteilung (Hauptschicht):
1 – 60 jährig: 59 %
61 – 100 jährig: 21 %
über 101 jährig: 20 %
Naturwald: 2.285 ha (5 % der Holzbodenfläche der SHLF)
Fläche in Natura 2000-Gebieten: rd. 15.700 ha
Standort- und Biotopkartierung liegt für alle Waldflächen vor.









